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Katrin Filipiak: Befähigung durch Beratung

2016 - Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

"Befähigung durch Beratung - Begleitete Bewältigung beruflicher Umbruchsituationen" von Katrin Filipiak, eine Expertise aus dem Projekt "gute gesellschaft - soziale demokratie #2017 plus" der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Berufliche Übergangsprozesse sind heute fester und oft unausweichlicher Bestandteil im Erwerbsleben vieler Beschäftigter, welche allerdings oft mit Zukunftssorgen und Risiken verbunden sind. Zwar ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive bislang nicht zurückgegangen. Dies gilt aber nicht für jüngere Arbeitnehmer_innen und insbesondere Geringqualifizierte, die sich mit einer zunehmenden Instabilität beruflicher Integration konfrontiert sehen. Ein Teil dieser Erwerbsunterbrechungen mag mit dem Ziel intendiert sein, die persönliche Situation zu verbessern und in einen der gesellschaftlich erwünschten Norm des Normalarbeitsverhältnisses entsprechenden Job zu wechseln. Häufig jedoch sind es externe Faktoren wie etwa Betriebsschließungen und Standortverlagerungen, die einen beruflichen Transitionsprozess notwendig machen.

Solche Prozesse werden vielfach individuell und ohne besondere Hilfeleistungen bewältigt, in bestimmten Fällen besteht aber nicht nur ein Anspruch, sondern auch die Verpflichtung, eine Berufsberatung in Anspruch zu nehmen. Doch was zeichnet eigentlich eine gute Beratung in beruflichen Umbruchsituationen aus und wer definiert überhaupt, was Beratung leisten soll oder besser: Beratung leisten kann? Immer wieder steht etwa die Beratung im Rahmen des Bezugs von ALG II in der Kritik. Die bürokratische Verfügung über Termine, der Fokus auf eine schnelle Vermittlung, etwa in atypische Beschäftigungsverhältnisse mit Drehtüreffekt und standardisierte Beratungsabläufe sind nur einige Punkte, die in diesem Zusammenhang genannt werden. Dabei könnten gerade die Erfassung individueller Bewältigungsstrategien, Flexibilität bei der Beratung und Nachhaltigkeit als Qualitätsmerkmale für eine gelungene Beratung stehen. Die vorliegende Expertise von Kathrin Filipiak knüpft an die Diskussion über alternative Leitbilder zum Aktivierungsansatz der Hartz-Reformen an.

Die zentrale Intention der Autorin ist es herauszustellen, welchen Beitrag Beratung bei der Bewältigung von Übergangsprozessen und Umbruchsituationen zur arbeitsmarktlichen Befähigung leisten kann und wie individuell verschiedene Beratungstypen identifiziert sowie zielgerichtet gefördert und unterstützt werden können. Die Autorin arbeitet heraus, dass sich ausgehend von einer gemeinsamen Entwicklungslinie die psychosoziale Beratung, das sogenannte „Counselling“, und die bildungs- und berufsberatende Position – „Guidance“ – immer weiter auseinanderentwickelt haben, so dass heute nur eines von beidem im Fokus von Beratung steht. Während Counselling vorwiegend als therapienaher Aspekt im Gesundheitsbereich angesiedelt ist, steht Guidance im Zentrum von wirtschaftsnahen, arbeitsmarktbezogenen, beratenden Dienstleistungsprozessen. Um der schwierigen Phase des beruflichen Umbruchs allerdings umfassend gerecht zu werden, muss es langfristig das Ziel sein, beide Komponenten wieder verstärkt zusammenzuführen und sowohl Kognitionen als auch Emotionen in den Beratungsprozess zu integrieren.

Um den Blick auf die Spezifika und Herausforderungen von Beratung im institutionellen Kontext zu schärfen, geht die Autorin weiter auf den Einsatz des arbeitsmarktpolitischen Instruments der Transfergesellschaften im Kontext der Insolvenz der Baumarktkette Praktiker/Max-Bahr 2013/14 ein. Beschäftigtentransfers haben in Deutschland im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern immer noch einen eher schlechten Ruf und kommen selten zum Einsatz. Dabei zeigt nicht zuletzt das herangezogene Fallbeispiel, dass dieses Instrument bei entsprechender Ausgestaltung durch Sozialpläne sehr wohl in der Lage ist, eine intensive, an individuellen Bedürfnissen orientierte Beratung zu bieten und somit Arbeitslosigkeit von vorneherein zu vermeiden. Es ist damit mithin ebenfalls geeignet, institutionelle Lernprozesse in anderen, der Berufsberatung verpflichteten Organisationen in Gang zu setzen.

Download der Expertise als PDF