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Neuer integrierter nationaler Beratungsdienst und „Rat für Beratung“ in England

2012 -

Als Antwort auf die ökonomischen Veränderungen im Vereinigten Königreich hat die englische Regierung 2011 in dem Grundsatzdokument „New Challenges, New Chances“ („Neue Herausforderungen, neue Chancen“) ihre Verpflichtung gegenüber Weiterbildung und einer Reform des beruflichen Qualifizierungssystems hervorgehoben.
 
Am 5. April 2012 startete Minister John Hayes den neuen Beratungsdienst, der Berufsinformation, Berufsorientierung und Beratung reformieren soll, um die Nachfrage nach Weiterbildung, arbeitsplatz-orientierter Ausbildung und Hochschulbildung zu stimulieren. Junge Menschen (über 13 Jahren) und Erwachsene sollen besser unterstützt werden, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Lebensbegleitende Bildungs- und  Berufsberatung macht wirklich einen Unterschied. 82 % der Erwachsenen, die den vorherigen Beratungsdienst „Next Step“ in Anspruch nahmen und eine Bildungsmaßnahme begannen, sagten, dass die erhaltenen Informationen und Beratungen ihre Entscheidung positiv beeinflusst hatten. Bei 68 % war dies der Fall, wenn sie im Anschluss an die Beratung eine Arbeit begannen.

Jugendliche, Erwachsene und Berater/innen berichten übereinstimmend, das es schwierig ist, die für sie notwendigen Informationen zu finden. Die effiziente Verwendung von Arbeitsmarktdaten ist ein Schlüsselproblem. Nachweislich brechen viele junge Leute berufliche Bildungsmaßnahmen nach der allgemeinen Schule ab, da diese nicht ihren Erwartungen entsprachen. Nach Erkenntnissen der Skills Funding Agency (2012)  bestätigten 22 % der sog. Nichtlerner, dass mangelnde Übersicht über vorhandene Bildungsangebote und deren Nutzen sie vom Wiedereinstieg in das berufliche Bildungssystem abhielten. Wie in dem Dokument des Nationalen Beratungsdienstes ‚Der richtige Rat zur richtigen Zeit’ ausgeführt wird, ist das Wissen über landesweite akademische und berufliche Bildungsmöglichkeiten und über die entsprechenden Beschäftigungsmöglichkeiten und –aussichten wesentlich für die Entscheidungen.

Die Bildungs- und Berufsberatung in England hat sich über die Jahre entwickelt. Mit der Errichtung des National Careers Service ist nun zum ersten Mal ein voll integrierter Dienst entstanden, der den Menschen von der Schule bis zur Pensionierung lebensbegleitend zur Verfügung steht. Der neue Beratungsdienst bietet eine Reihe von Online-Angeboten, einschließlich eines Webchats, der es Nutzern erlaubt, ihre Vorstellungen zu diskutieren, wann und wo es ihnen passt. Um Ratsuchende noch einfacher zu erreichen, werden Facebook und Twitter genutzt. Die interaktive Webseite enthält alle Arbeitsmarktinformationen, so dass Ratsuchende wachsende Branchen in ihrer Region kennen lernen können. Unterstützung beim Verfassen des Lebenslaufs und Fähigkeitstests helfen den Nutzern, ihre Stärken und Schwächen zu identifizieren. Man kann auch ein sogenanntes Lebenslanges Bildungskonto eröffnen, dass es ermöglicht, personalisierte Daten zu den beruflichen Vorstellungen, erworbenen Qualifikationen oder finanziellen Fördermöglichkeiten zu speichern und jederzeit abzurufen. Die Regierung hofft, dass die neue Webseite, die Telefonhotline und die vorhandenen Angebote zur persönlichen individuellen Beratung zu einer Verhaltensänderung der Menschen im Hinblick auf eine verstärkte Inanspruchnahme der Bildungs- und Berufsberatung führen.

Darüber hinaus stehen die Schulen mit dem Bildungsgesetz 2011 und neuen Richtlinien für die Praxis der Beratung in der Verantwortung, für den Zugang zu unabhängiger und unparteilicher Beratung für ihre Schüler zu sorgen. Dies hat ein marktorientiertes Umfeld mit Autonomie und neuen Freiheiten für die Schulen eröffnet, das (von September 2012 an) solche Beratungsdienstleistungen verschiedener Anbieter einschließlich der Hauptauftragnehmer des Nationalen Careers Service sichern soll. In der Debatte um die Regulierung durch den Markt gibt es entweder heftige Befürworter oder strenge Gegner eines solchen Quasimarktes. Dabei bleibt es ein grundsätzlicher Imperativ, das  öffentliche Vertrauen in die vorhandenen Dienste durch die Bedeutung von Standards und Qualitätssicherungsprozesse  zu unterstreichen, die sowohl die Unternehmen und Dienstleister selbst, wie auch Fähigkeiten, Ausbildung und Qualifikationen der Beratungsfachkräfte betreffen.

Für die Erwachsenen bietet der Nationale Beratungsdienst an verschiedenen Orten innerhalb der Gemeinden persönliche Beratungsmöglichkeiten. In allen Nationalen Beratungszentren gibt es niederschwellige Anlaufstellen, sei es ein ausgeschilderter Laden, ein Kirchenraum, eine Bücherei oder ein Jobcenter, die Bürgerinnen und Bürgern ihren Bedürfnissen und Anliegen entsprechend Rat und Hilfe bieten. Die richtige Ansiedlung der Beratungsangebote ist zurzeit ein Hauptthema des Nationalen Beratungsdienstes.

Die Regierung hat auch einen unabhängigen Nationalen Rat für Bildungs- und Berufsberatung (National Careers Council) eingerichtet (http://www.bis.gov.uk/policies/further-education-skills/national-careers-council). Dieser soll die Ministerien im Hinblick auf eine wegweisende Strategie für den Nationalen Beratungsdienst und andere Beratungsdienstleister als wichtige Impulsgeber für wirtschaftliches Wachstum und größere Chancen durch Bildung und Arbeit beraten. Dabei wird der Rat auf der Basis von führenden Entwicklungen neue Visionen für ein qualitätsvolles Angebot der Beratungsdienste entwickeln.

Im Mai 2012 wurden Dr. Deirdre Hughes, OBE als Vorsitzende des Rates und zehn weitere Mitglieder und 3 Experten aus den Bereichen Bildung, Berufswelt und Wirtschaft  berufen. Die Arbeit des Rats konzentriert sich gegenwärtig auf drei Hauptarbeitsbereiche: Zugang, Qualität und Professionalität der Beratung, die Verbindung des Nationalen Beratungsdienstes zur Wirtschaft und dem weiteren Arbeitsmarkt, und Informationsgrundlagen, Innovationen und Wirkungsforschung. Der Rat möchte bei parlamentarischen Anfragen empirische Belege zur Wirkung von Information, Berufswahlunterricht und Beratung vorlegen. Dazu erläutert Dr. Hughes: „Die Legitimation öffentlicher Ausgaben für Beratungssysteme und deren Dienstleistungen, verbunden mit einer klaren Beweislage über deren Effektivität und positiven Wirkungen, bleibt eine eminente Herausforderung. Die Erarbeitung solcher empirischen Befunde müssen verstärkt und auf allen Ebenen unterstützt werden.“ Der Nationale Rat wird im Mai 2013 der Regierung einen Bericht vorlegen.

Dr. Deirdre Hughes, OBE, Chair of National Careers Council & Commissioner, UK Commission for Employment & Skills

Übersetzung: Bernhard Jenschke, nfb