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IAEVG Kommuniqué: Soziale Gerechtigkeit in der Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung

Montpellier, 28 September 2013

IAEVG Kommuniqué: Soziale Gerechtigkeit in der Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung

Anlässlich der Internationalen IAEVG-Konferenz “Bildungs- und Berufsberatung: ein Menschen- oder ein Bürgerrecht?“ veröffentlicht der Vorstand der IAEVG folgende Stellungnahme/ Pressemitteilung über die Notwendigkeit des Engagements für soziale Gerechtigkeit in der Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung.

Soziale Ungerechtigkeiten haben in den letzten Jahren exponentiell zugenommen, wodurch sich die wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen und innerhalb der Staaten vergrößert hat. Aktuelle ökonomische Kräfte verschlimmern diese Situation. Zahlreiche Programme zur sozialen Inklusion und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt blieben hinsichtlich der Verwirklichung einer demokratischen, partizipativen und inklusiven Gesellschaft, in der alle Stimmen Gehör finden, häufig unwirksam. Wir würdigen das große Engagement vieler Bildungs- und Berufsberater/innen für soziale Gerechtigkeit, die sich für ihre Ratsuchenden und mit ihnen auf individueller und systemischer Ebene einsetzen. Doch auch wenn jede/r von uns eine Rolle und Verpflichtung für soziale Gerechtigkeit hat, so müssen wir ebenfalls die strukturellen und gesellschaftlichen Barrieren angehen, die Menschen weiterhin unterdrücken. Dies bedarf einer starken Führung und gemeinsamer Anstrengung. So reicht es nicht aus, die Chancengleichheit beim Zugang zu Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsangeboten zu fördern, sondern wir müssen uns bemühen, Gleichheit und Gerechtigkeit bei den Outcomes, also den Ergebnissen, zu erreichen. Dies beinhaltet auch, verschiedenen sozialen und kulturellen Gruppen Möglichkeiten zu eröffnen, sich aktiv am politischen Planungsprozess zu beteiligen und damit sicher zu stellen, dass ihre Ansichten wahrgenommen und ihre Stimmen gehört und respektiert werden, ohne dass sie dabei ihre Werte und Überzeugungen aufgeben müssen.
 
Weil die berufliche Entwicklung eines Menschen alle Lebensentscheidungen umfasst, muss der Auftrag an die in diesem Feld tätigen Beraterinnen und Berater  erweitert werden. Beratende müssen befähigt sein, sich für mehr Chancengerechtigkeit und Möglichkeiten für die verschiedenen Zielgruppen einzusetzen, die ihren Weg in der sich rasch verändernden Welt suchen. Dies erfordert auch, dass sie auf diejenigen zugehen müssen, die alternative Wege der gesellschaftlichen Teilhabe suchen, auf Mitglieder nicht-dominanter Gruppen, auf jene, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sowie auf jene, die von sich aus nicht unbedingt Beratung und Unterstützung aufsuchen. Dieses Eintreten erfordert praktische Unterstützung, um Menschen zu befähigen, ihre Potentiale und Fähigkeiten zu entwickeln - in welcher Form auch immer und unabhängig von Alter, Geschlecht, Ethnie, Religion und sozio-ökonomischer Schicht, von Befähigungen, Behinderungen oder sexueller Orientierung sowie von mehreren dieser Merkmale. Wir müssen gute Praxis dokumentieren, um zu zeigen, wie soziale Gerechtigkeit in die Beratung einfließen kann. Wir müssen unseren Kollegen/innen dabei zur Seite stehen und den Nachweis erbringen, wie eine auf sozialer Gerechtigkeit aufbauende Beratungspraxis positive Veränderungen im Leben der Menschen bewirken kann.
 
Die Voraussetzungen für eine breite Beteiligung und Offenheit im Dialog müssen geschaffen werden,  damit die Stimmen und Anliegen aller Menschen gehört und anerkannt werden. Soziale Gerechtigkeit bedeutet auch, die Vielfalt zwischen und innerhalb der verschiedenen Gruppen anzuerkennen und die Bedürfnisse der Mitglieder in der Gesellschaft nicht den stetig wachsenden Erfordernissen des Arbeitsmarktes zu unterwerfen. Folglich sollte die politische Agenda im Bereich Bildung, Beruf und Beschäftigung nicht nur von ökonomisch-rationalistischen Argumenten gesteuert werden, sondern eher eine ganzheitliche Sicht umfassen, die die Bedürfnisse  aller Menschen und ihrer vielfältigen Entwicklungspfade berücksichtigt.
 
Wir müssen das Engagement für soziale Gerechtigkeit auf allen Ebenen der Gesellschaft fördern und einen kritisch-konstruktiven Ansatz sozialer Gerechtigkeit in politisches und institutionelles Handeln einfließen lassen. Daher wenden wir uns an politisch Verantwortliche und fordern sie auf, die Rolle der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung für die Förderung einer gerechteren Gesellschaft zu überdenken und durch materielle und politische Unterstützung dazu beizutragen, eine gerechte Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen. Innerhalb des Bildungssystems benötigen Berater/innen solche Unterstützung zum Beispiel, um Schüler/innen und Studierende darauf vorzubereiten, aktive und kritische Bürger/innen zu werden, unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus.
 
Die IAEVG als weltweit größter Verband für Bildungs- und Berufsberatung appelliert an Anbieter, Beratende, Wissenschaftler und politisch Verantwortliche, ihre Bemühungen zu verstärken und soziale Gerechtigkeit als zentralen Wert ihrer Arbeit zu begreifen. IAEVG Mitglieder können eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung von Forschung und Praxis innerhalb einer Agenda für soziale Gerechtigkeit spielen, und ihre Arbeitgeber sollten sie in diesem Bestreben unterstützen. Dies kann dazu beitragen, dass Beratung noch bedeutsamer und sinnstiftend wird und Menschen in die Lage versetzt, wirkliche Entscheidungen für ihre Bildungs- und Berufslaufbahn treffen zu können.

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