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Pressemitteilung 02/ 2015: Wissen, was wirkt – den Nutzen von Beratung erforschen

Berlin, 8. Juli 2015 -

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ELGPN-Seminar „Wirkung, Nutzen und Evidenzbasierung lebensbegleitender Beratung“, 2. Juli 2015,  im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin

Wissen, was wirkt – den Nutzen von Beratung erforschen

Welche Ergebnisse und Wirkungen hat eine gute Bildungs- oder Berufsberatung für die Menschen  und ihren Bildungs- und Berufserfolg? Welchen Nutzen haben Wirtschaft und Gesellschaft davon, dass Individuen bei ihren Fragen zur Berufs- und Arbeitsplatzwahl, zu beruflicher Weiterbildung oder Neuorientierung, bei Arbeitsplatzverlust oder beruflicher Wiedereingliederung durch gute Beratung unterstützt werden? Lassen sich solche Ergebnisse und Wirkungen überhaupt messen, und wenn ja – wie? Können wir durch empirische Forschung dazu beitragen, die Evidenzbasierung von Politik und Praxis in diesem Bereich zu verbessern und damit auch den ökonomischen und sozialen Nutzen guter Beratung nachweisen? Was wirkt – was nicht?

Hierüber diskutierten am Freitag, 2. Juli 2015, in Berlin auf Einladung des Nationalen Forum Beratung (nfb) über 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Beratungsforschung. Anlass war die aktuelle Veröffentlichung einer Studie des Europäischen Netzwerks für eine Politik lebensbegleitender Beratung (ELGPN) zur Wirksamkeit und Evidenzbasierung der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung.1
  
Der Autor der Studie, Professor Tristram Hooley von der Universität Derby (Großbritannien), stellte in seinem Eingangsreferat den internationalen Forschungsstand zum Thema vor. Die meisten der über 100 ausgewerteten Studien belegen, dass gut organisierte und qualitätsvolle Bildungs- und Berufsberatung  zu besserer Informiertheit und Entscheidungsfähigkeit, zu mehr Selbstvertrauen und Eigenaktivität von Ratsuchenden beiträgt. Damit stiftet gute Beratung indirekt auch einen  sozialen und ökonomischen Nutzen, indem sie eine höhere Bildungs- und Erwerbsbeteiligung, das lebensbegleitende Lernen und gesellschaftliche Teilhabe fördert. Beratung kann dadurch auch zu einer besseren Funktionsfähigkeit und Effizienz des Arbeitsmarktes beitragen, indem sie effektive und nachhaltige Stellenbesetzungen sowie die berufliche Weiterbildung und damit die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs in der Wirtschaft unterstützt. Allerdings stellt der empirische Nachweis solcher Wirkungen – so das Ergebnis der Diskussion - eine große Herausforderung für die Wissenschaft dar und bedarf daher weiterer Forschungsanstrengungen.

Die Beiträge von Wissenschaftler/innen der Universität Heidelberg, der Humboldt-Universität Berlin, der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (Zürich) sowie von Forscher/innen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen2 zeigten, dass auch in Deutschland bereits eine Reihe von Studien und innovativen  Forschungsansätzen vorliegen, die  messbare Ergebnisse und Wirkungen der Bildungs- und Berufsberatung belegen. Die Mehrzahl dieser Untersuchungen wurde im Kontext der Evaluation arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und Programme durchgeführt, deutlich seltener im Bereich der (Weiter-) Bildungsberatung. Erheblicher Forschungsbedarf besteht nach Einschätzung der Teilnehmer/innen vor allem im Hinblick auf Längsschnittstudien und verbesserte Methoden sowie eine ausreichende Datenlage, um auch die längerfristigen Ergebnisse und Wirkungen der Beratung valide erfassen und messen zu können.

Das Desiderat nach mehr Forschung mit größerer Methodenvielfalt und mehr Möglichkeiten, damit zu experimentieren, war daher ein zentrales Thema der teilnehmenden Forscherinnen und Forscher.

Für das nfb betonte deren Vorsitzende, Karen Schober,  die Notwendigkeit, ein strategisches Forschungsprogramm für Deutschland zu entwickeln, das – vergleichbar der ELGPN-Studie – den aktuellen Forschungstand aufarbeitet und die weißen Flecke und Forschungsbedarfe benennt und Anregungen für künftige Forschung gibt. Mit einer solchen längerfristigen Strategie könne die Evidenzbasierung für die Politik und Praxis der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung verbessert werden. Die Arbeitsergebnisse des ELGPN, insbesondere die Studie zur Evidenzbasierung und der gemeinsam entwickelte Qualitäts- und Evidenzrahmen (QAE)3, bildeten dafür eine hilfreiche Grundlage. 

Link zum Seminarprogramm und den Präsentationen (ab ca. 15. Juli)

Das ELGPN ist ein 2007 gegründetes und von der EU-Kommission im Rahmen des Programms „Lebenslanges Lernen“ gefördertes Netzwerk von 27 EU-Mitgliedstaaten. Ziel des Netzwerks ist es, durch wechselseitiges Lernen und die gemeinsame Entwicklung von Instrumenten und Handreichungen die Mitgliedstaaten beim Aufbau und der Weiterentwicklung ihrer Beratungssysteme und Beratungspolitiken zu unterstützen (www.elgpn.eu). Der deutschen ELGPN-Delegation gehören unter Federführung des BMBF Vertreter/innen der Kultusministerkonferenz, der Bundesagentur für Arbeit und des nfb an.

Das Nationale Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung e.V. (nfb) ist ein gemeinnütziger, konfessionell und parteipolitisch unabhängiger Verein, der sich als  Netzwerk aller Akteure in den Bereichen der Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung versteht. Sein Ziel ist die Förderung  der fachgerechten Beratung in Deutschland zur Unterstützung des lebenslangen Lernens (www.forum-beratung.de).

Kontakt: Karen Schober, Judith Langner; info@forum-beratung.de; Tel.: +49 (0)30 2579 3741

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1 ELGPN (Ed.), The evidence base of lifelong guidance – a guide to key findings for effective policy and practice“ by Tristram Hooley, Jyväskylä 2014 (http://www.elgpn.eu/publications/elgpn-tools-no.-3-the-evidence-base-on-lifelong-guidance). Die deutsche Übersetzung wird in Kürze auf der Webseite des nfb zur Verfügung stehen (www.forum-beratung.de).
2 Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB); Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen (IAW); KES-Verbund Berlin, TNS Infratest, Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI)
3 ELGPN (Hg.), Entwicklung einer Strategie zur lebensbegleitenden Beratung – eine europäische Handreichung, Berlin 2013, Seite 107 (deutsche Übersetzung) upload/ELGPN/DE_Resource_Kit_web.pdf