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„Guidance Dialogue“ - Europäische Konferenz in Weimar, 3.-5. November 2011

03.11. - 5.11.2011 -

Weimar, Leonardo Hotel

Unter dem Titel „Der Mensch im Mittelpunkt von Beratung in Bildung und Beruf – bessere Chancen durch kompetente Beratung in verlässlichen Strukturen“ führten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), die Polnische Lehrergewerkschaft (ZNP) und weitere Partner des EU-geförderten Verbundprojekts „Guidance Dialogue“ ihre erste von drei geplanten Konferenzen in Weimar durch. In Referaten wurden in der  von rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besuchten Veranstaltung eingangs die strukturellen Verhältnisse von Beratung für Bildung und Beruf in den drei beteiligten Ländern vorgestellt und mit Beispielen näher beleuchtet. Im Mittelpunkt der Diskussionen, die in Fachforen und im Plenum geführt wurden, stand ein „Thesenpapier zur subjektorientierten Beratung für Bildung, Beruf und Weiterbildung aus gewerkschaftlicher Sicht“, das die Projektpartner als Aufschlag für die Konferenz formuliert hatten. In den drei Abschnitten dieses Papiers werden die Leitideen vorgestellt, denen zufolge Beratung ein Angebot darstellen müsse und keine Barriere, die Freiheit der Individuen wahren müsse sowie übersichtlich und verlässlich sein müsse. Als Ziele von Beratung nennen die Thesen in einem zweiten Abschnitt, dass Beratung aktivierend und nicht „befundend“ (d.h. nicht durch diagnostische Befunde festgelegt), unabhängig sowie nicht-diskriminierend sein und stärkenorientiert wirken müsse. Im dritten Abschnitt werden die „Gelingensfaktoren“ für die Umsetzung der Leitideen und Ziele benannt: Beratung benötige nachhaltige Strukturen; durch Einbettung in einen wissenschaftlichen Diskurs müsse Beratung sich daran orientieren, die tatsächlichen Bedarfe der Ratsuchenden zu ermitteln und nicht gesellschaftliche Muster fortzuschreiben. Weiterhin müssen Ratgebende  als Schlüsselpersonen durch umfassende Qualifizierung und durch attraktive Rahmenbedingungen gestärkt werden, nicht zuletzt müsse eine konsequente Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung erfolgen.

Karen Schober, als Vorsitzende des nfb Vertreterin eines der assoziierten Partner des Projekts, erweiterte die Perspektive der drei beteiligten Länder durch einen Blick auf die Aktivitäten auf europäischer und internationaler Ebene, in deren Mittelpunkt die Verbesserung der Qualität der Beratungsangebote sowie die Weiterentwicklung der Professionalität von Beratung  stehen.

Im Fokus der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen aus den Bereichen Beratungspraxis, Bundes- und Landespolitik sowie mit den für das Verbundprojekt Verantwortlichen stand die Frage, ob die im Thesenpapier aufgestellten Forderungen eine Utopie oder eine realistische Zielvorstellung seien. Eine Weiterentwicklung im Sinne der Thesen wurde von den beiden Vertreterinnen  aus dem Bereich der Politik als nicht nur wünschbar, sondern auch als machbar beschrieben. Besonderes Interesse fanden in diesem Zusammenhang zum einen die bereits auf den Weg gebrachte Erprobung einer stabilen, öffentlich geförderten Beratungsinfrastruktur in Österreich und zum anderen die im Zusammenhang mit dem Masterplan Qualifizierung in Berlin begonnene Ausweitung von niedrigschwelligen Beratungsangeboten. Auch das Modellvorhaben in der polnischen Wojewodschaft Podlachien zur verpflichtenden Einführung von Berufsorientierung in Berufsschulen über „Consultants“ der Bezirksregierung, die in den Schulen präsent sind und über Zielvereinbarung mit den Schulleitungen die Durchsetzung der geplanten Maßnahmen begleiten, fand große Aufmerksamkeit.

Die Konferenzserie soll im kommenden Jahr mit einer Veranstaltung in Wien fortgesetzt werden, in deren Mittelpunkt das Thema Beratung für betriebliche Weiterbildung stehen soll.

Bent Paulsen, nfb

Die Dokumentation wird in Kürze unter http://www.guidance-dialogue.eu/servlet/ContentServer?pagename=S04/Page/S04_Index&n=S04_81.b  erscheinen.