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Gute Beratung für Menschen mit Behinderung

13.10.2015 -

Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen hat Experten/innen für Beratung von Menschen mit Behinderung zu einer Fachtagung in Berlin am 13. Oktober 2015 eingeladen.

Unter dem Titel „Unabhängige Beratung – Erfahrungen und Qualitätsstandards“ versuchten die Fachleute für die Beratung von Menschen mit Behinderung dieses komplexe Thema vor dem Hintergrund aktueller Entwicklung zu behandeln. Zur Aktualität trug besonders die Frage bei: Wird das neue Teilhabegesetz, das noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll, dem Beratungsbedarf von Menschen mit Behinderung gerecht?

So war es nicht überraschend, dass in den einzelnen Tagungsbeiträgen die im Gesetz genannten zentralen Ansprüche in den Mittelpunkt gerückt wurden. Vor allem der Anspruch auf gute Beratung, der nun gesetzlich verankert werden soll, bedeutet, dass Beratung für Menschen mit Behinderung qualitätsgesichert und professionell durchgeführt werden muss. Damit verbindet sich aber auch die Frage, ob eine unabhängige Beratung überhaupt grundsätzlich leistbar ist.

Die vorgestellten Beispiele aus der Praxis derzeitiger Beratung zeigten, dass man sich schon auf einem guten Weg befindet. Es gibt vielfältige Bemühungen, Beratungskonzepte und Beratungspraxis einer Qualitätskontrolle zu unterziehen. Übereinstimmend war auch die Erfahrung, dass dies ein dauerhafter Prozess sein muss.

Die daraus folgenden Kompetenzen der Beraterinnen und Berater waren ein weiterer Punkt der Beratung. Dabei ergab sich der Diskussionspunkt, ob eine eigene Behinderung notwendigerweise zu einer guten Beratung dazu gehört: „Ist nur Peer-Counceling gute Beratung für Behinderte?“

Ungelöst blieb die Frage der Unabhängigkeit der Beratung. Wie auch in der Bildungsberatung setzt die Beratung für Menschen mit Behinderung auf die vorhandenen Strukturen. Beratung ist für diese Zielgruppe im Wesentlichen an die Leistungsträger und Leistungserbringer gebunden. Eine wirklich unabhängige Beratung würde einen Ausbau staatlicher Beratungseinrichtungen voraussetzen. Damit ist aber aus Kostengründen wohl nicht zu rechnen. Das aber bedeutet, dass man Instrumente finden muss, die eine weitgehend neutrale Beratung sichern. Dies entspricht auch einem notwendigen Qualitätsstandard.
Auch auf dieser Veranstaltung zeigte sich, dass bei der Frage nach Qualitätsstandards häufig noch die notwendigen Informationen fehlen. So konnten die Hinweise auf die im BeQu-Projekt entwickelten Instrumente der Qualitätsentwicklung wertvolle Hilfen geben.

Theodor Verhoeven, nfb

Erschienen im nfb-Newsletter 03/2015