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Arulmani, et.al. (Eds.), Handbook of Career Development - International Perspectives

Arulmani, G., Bakshi, A.J., Leong, F.T.L., Watts, T. (Eds.) (2014). "Handbook of Career Development - International Perspectives". Springer. ISBN:  978-1461494591

Review: Handbook of Career Development – International Perspectives

Dr. Peter Weber, Universität Heidelberg

Zusammenfassung

Das „Handbook of Career Development“ („Hand-buch der Laufbahnentwicklung“) verfolgt das Ziel einen internationalen Überblick über die Herausforderungen für die berufliche Entwicklung von Individuen in einem sich schnell verändernden Umfeld zu geben. Dabei wird berücksichtigt, dass dieser Wandel für viele Individuen und unsere Gesellschaften nicht selten krisenhaft ist und den Bedarf für Unterstützung verändert.

Überblick

Zu Beginn des Handbuchs steht eine konzeptionelle Einleitung zum Band und speziell zum „Career“-Begriff, der hier als komplexes und multiples Phänomen beschrieben wird. Es werden sowohl die Makro-Faktoren (Arbeitsmärkte, Veränderung der industriellen Gesellschaften oder der sog. Entwicklungsländer) als auch die Mikro-Faktoren (Individual-psychologie, Arbeitsethos) benannt, die ein aktuelles Verständnis von „Career Development“ beeinflussen. Dass diese Diskussion in den langen historischen Linien und in einer globalen Perspektive geführt wird, ermöglicht es dem Leser in Deutschland oder Europa seine eigene Perspektive zu kontrastieren.

Der erste Teil des Bandes fokussiert dann „Career Development“ und Beratung („Guidance“). Hervorheben kann man, dass neben der psychologischen Perspektive auch systemisches Denken, die Berücksichtigung der Lebenslaufperspektive und die Kontrastierung der westlichen Perspektiven mit denen aus anderen Gesellschaften beinhaltet ist.

Der zweite Teil thematisiert die „Person im Kontext“ entlang des Lebenslaufs mit Beiträgen zur Einbettung der Person in die vielfältigen Bezüge der Umwelt (z.B. Familie, Geschlecht, Ökonomie). Spezifisch finden sich sowohl Beiträge zu Aspekten der Laufbahngestaltung von Jugendlichen und auch im Erwachsenenalter.

Der dritte Teil bezieht sich auf die sich wandelnden Arbeitsmärkte und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Laufbahngestaltung.
 Während die ersten drei Teile eher die „Standards“ eines Handbuchs zum Thema „Career Development“ abdecken und auch in den Darstellungen vorwiegend Konzepte rekapitulieren, richten die Teile vier, fünf und sechs ihr Augenmerk auf verschiedene „innovative“ Entwicklungslinien, z.B. auf Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Ökologie und Nachhaltigkeit (siehe hierzu auch der Beitrag von Peter Plant in diesem Newsletter) oder die Wiederentdeckung traditioneller Berufe in der modernen Welt (Teil vier). Teil fünf versammelt neue Ideen für die Ausrichtung von „Career Services“ und Kapitel sechs „Innovation in Career Counseling“.
 
Teil sieben wechselt wiederum die Perspektive und diskutiert (u.a.) die Anbieterebene, insbesondere Fragen von Qualität, Evaluation und Wirksamkeit von Beratung. Hier wird auch die europäische Perspektive eines Rahmens für „quality assurance and evidence base“ vorgestellt, der konzeptionell große Überschneidungen zu den in Deutschland diskutierten Qualitätsstandards (nfb) aufweist.
 
Der Teil acht schließlich wendet sich den Beratenden, ihrer Aus- und Weiterbildung sowie ihren Kompetenzen zu, wobei hier eine Angelsächsische bzw. Kanadische Sicht dominiert.

Aus welcher Perspektive diskutiert das Handbuch Career und Unterstützung z.B. von Beratung?

Für die Diskussion von Beratung in Bildungs- und Berufs- und Arbeitskontexten in Deutschland stellt sich im Anschluss an das vorgestellte Buch die Frage, wie sich die individuelle Gestaltung von „Laufbahn“ oder „Karriere“ einerseits zur Unterstützung von Individuen durch Beratung, Coaching oder andere Aktivitäten wie Informationsvermittlung, Berufsvorbereitung oder Informationsdienste andererseits verhält. Diese Diskussion, die Bezüge zur Veränderung von Bildungssystemen und Arbeitsmärkten einbezieht sowie deren Relevanz für die Gestaltung von unterschiedlichsten Unterstützungsangeboten unterstreicht, kommt in Deutschland bisher m.E. noch zu kurz. Dies beginnt u.a. bei der Frage, ob sich eine angemessene und zeitgemäße Begriffsbildung für „Career Development“ bzw. Laufbahnentwicklung herausbildet.

Für den hier vorgestellten Band kann konstatiert werden, dass sich der Begriff der „Career“ weitgehend verselbständigt hat, insofern die ursprüngliche Bindung an einen institutionell reglementierten Aufstieg (z.B. innerhalb eines Unternehmens) nicht mehr als entscheidendes Definitionskriterium verstanden wird. Der Begriff wird zunehmend auch für alternative,  auch für fragmentierte, schwierige und vielfältige Berufsverläufe herangezogen. Kritisch festgestellt werden kann, dass die Verbindung von Veränderungen in der Arbeitswelt und die Konsequenzen für die individuelle Laufbahn zwar thematisiert werden, die konsequente Verbindung der „Career Theories“ und den Interventionen (Beratung, Berufsorientierung etc.) werden auch hier nicht klar hergestellt.

Wichtig erscheint dieser Bezug zwischen den Bedingungen beruflicher Entwicklung des Einzelnen und der Unterstützungsangebote auch für die Diskussion in Deutschland. Die Beratungsdiskussion könnte so noch stärker an der Schnittstelle von Umwelt und individueller Entwicklung angesiedelt werden. Diese fraglos wichtige und in der Forschung bis heute unterrepräsentierte Perspektive stellt ein wichtiges Zukunftsfeld für Praxis und (interdisziplinäre) Forschung dar.

Fazit

Das „Career Handbook of Career Development“ ist in jeder Hinsicht ein gewichtiges Werk, dass in vielen Teilen vorausdenkt und aktuelle Veränderungen und mögliche Antworten zusammendenkt. Beeindruckend ist auch die Vielzahl der Autoren aus allen Weltregionen, die daran mitgewirkt haben. Gerade für die deutsche Diskussion gibt es viele Impulse, um Beratung und die Perspektive der Individuen, die aus ihrer Sicht und im gegebenen gesellschaftlichen Kontext ihre „Career“ gestalten, zu reflektieren und zu überdenken.
Der übergreifende Nutzen dieses Handbuchs und anderer, die in den letzten Jahren erschienen sind ,(z.B. Athanasou & Esbroeck (Hg.) (2008) u.a.) liegt im Versuch, eine möglichst vollständige und kohärente Eingrenzung der Fragen, mit denen sich Laufbahnberatung befasst, zu leisten. Mit dem vorliegenden Handbuch steht aus internationaler Sicht ein neues und weiteres Standardwerk zur Verfügung. Dieses regt auch in Deutschland die Diskussion zu wichtigen Fragen an. In vielen Einzelbeiträgen können neue und für so manche Beratungskontexte innovative Ideen rezipiert werden, die sowohl für die Praxis als auch für die weitere wissenschaftliche Erforschung sinnvolle Impulse liefern.
 
Wünschenswert wäre eine noch stärkere und kohärentere Einbettung der vielen Einzelbeiträge in eine vertieftere Diskussion der größeren Zusammenhänge und auch der Widersprüche, die sich im Kontext von „Career Development“ im 21. Jahrhundert auftun.

Eine interessante Lektüre oder ein Nachschlagewerk ist das Handbuch auch für alle diejenigen, die über den nationalen Tellerrand schauen wollen und die im heimischen Kontext oft verengt geführten Debatten anreichern wollen.

 

 

darin u.a.: Bryan Hiebert, Karen Schober, Lester Oakes: "Demonstrating the Impact of Career guidance", Seite 671 - 686

 Download Inhaltsverzeichnis

http://www.springer.com/psychology/personality+%26+social+psychology/book/978-1-4614-9459-1