Seit September 2009 fördert das Land Niedersachsen acht Modellprojekte zur Bildungsberatung über das Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Ziel des Modellvorhabens ist die Einrichtung eines niedrigschwelligen und allen Bürgerinnen und Bürgern offenstehenden Bildungsberatungsangebots.
Die Förderung erfolgt auf der Grundlage eines Landtagsbeschlusses vom Februar 2009, der Fördermittel in Höhe von 1,6 Mio. Euro für vier Jahre bis zum 31.12.2012 bereitstellt. Dabei wurden durch das Ministerium (MWK) und das Parlament folgende Rahmenbedingungen festgelegt:
Die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (www.aewb-nds.de) wurde mit der Bewilligung und der inhaltlichen und fachlichen Begleitung der Modellprojekte beauftragt.
Gefördert werden ausschließlich Erwachsenenbildungseinrichtungen, die nach dem Niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz (NEBG) anerkannt sind. Die inhaltliche und organisatorische Gestaltung der Modellvorhaben wurde von den Antragstellern in einer Konzeption dargerstellt und diente als Grundlage für die Bewilligung.. Die potentiellen Träger von Bildungsberatungsstellen sollten dabei Erfahrung in vernetzten Bildungsberatungsstrukturen nachweisen und auf vorhandene Netzwerkstrukturen im regionalen bzw. kommunalen Raum aufbauen können. Bereits vorhandene Schwerpunkte in der Beratungstätigkeit (Übergangsberatung von der Schule zum Beruf, Migrantinnen- und Migrantenberatung, Beratung von KMU) sollten erhalten bleiben und um weitere neutrale, bildungsbereichsübergreifende, allgemeine Beratungsangebote ergänzt werden.
Neutrale Beratungsräume und geschulte Beraterinnen und Berater sollen die Qualität der Beratungsleistungen unterstützen.
Im Förderzeitraum soll in den Beratungsstellen auch ein umfassendes Wissen über die Zielgruppen sowie über ihre Beratungsbedürfnisse und ihr Bildungsverhalten aufgebaut werden.
Verantwortlich für die Einhaltung der Förderkriterien, für die Sicherung der Qualität, für die Weiterbildung des Beratungspersonals und für den Ausbau qualitätsvoller Bildungsberatungsangebote ist die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung.
Ihr wurde auch die Entwicklung eines einheitlichen Auswertungsverfahrens übertragen.
Die Ergebnisse aus den Modellprojekten werden in einer Dokumentation zusammengefasst und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur zur Verfügung gestellt. Nach ihrer Auswertung sollen sie in den landesweiten Ausbau neutraler und niedrigschwelliger Beratungsnetzwerke einfließen.
Von insgesamt 16 eingereichten Förderanträgen konnten acht bewilligt werden, zwei Projekte haben als Verbundprojekte eine Förderung erhalten. Nach dem Projektstart zwischen September und Dezember 2009 wurde eine feste Arbeitsgruppe, bestehend aus den Akteuren der Modellvorhaben, eingerichtet, die auch dem fachlichen Austausch dient. Diese Arbeitsgruppe trifft sich mindestens viermal im Jahr und erörtert alle Fragen in Zusammenhang mit dem Modell. Dabei werden die unterschiedlichen Erfahrungen systematisch ausgewertet und in Protokollen festgehalten.
Die Verwendung der Fördermittel muss von den Projektnehmern regelmäßig nach den Bestimmungen der niedersächsischen Haushaltsordnung nachgewiesen werden.
Die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung hat den Aufbau und die Qualitätsentwicklung der Beratungsleistung an den verschiedenen Standorten kontinuierlich begleitet und dokumentiert. Sie hat Evaluationsbögen entwickelt, die sowohl den Beratungsprozess als auch die Zufriedenheit der Ratsuchenden mit der Beratungsleistung dokumentieren. Seit Mai 2010 wird diese Evaluation in allen Beratungsstellen eingesetzt. Das Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung in Hannover (IES) unterstützt das Evaluationsverfahren und nimmt die Auswertung der Daten vor. Eine erste systemtische Auswertung durch das Institut wird im Februar 2011 vorliegen.
Als ein erstes Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich die Bildungsberatung einer regen bis sehr regen Nachfrage erfreut und gerade in den städtischen Zentren auch von sogenannten bildungsfernen Personen aufgesucht wird.
Zeitgleich mit dem Evaluationsverfahren hat die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung einen Qualitätsrahmen entwickelt, der sich am Modell der kundenorientierten Qualitätstestierung für Beratungsorganisationen orientiert und dieses an die spezifische Modellprojektsituation in Niedersachsen angepasst hat. Damit ist der Aufbau des Qualitätsmanagementsystems im Projektzeitraum in weiten Belangen von der Agentur vorgegeben; die fachliche Begleitung erfolgt über die Koordinierungsstelle Qualität in Berlin (kos). Außerdem bietet die Agentur für Erwachsenen und Weiterbildung kontinuierlich Fortbildungen an, die die Qualitätsentwicklung in den Modellvorhaben unterstützen (siehe auch: www.aewb-nds.de – Fortbildung).
Für die Diskussion auf Bundesebene und für die Erarbeitung einheitlicher Qualitätsstandards wird das niedersächsische Beispiel wertvolle Daten und Vergleichsmöglichkeiten mit Beratungsmodellen in anderen Bundesländern liefern.
Niedersachsen wird somit einen Rahmen für eine zukünftige Förderung der Bildungsberatung erhalten, und es wird eine Basis von verlässlichen Daten für den Ausbau qualitätsvoller und neutraler Bildungsberatungsstrukturen geschaffen, auf der zukünftige Projekte gestaltet werden können.
Christine Etz
Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung