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Wirkungsmessung im Berliner Evaluationssystem zur Bildungsberatung

2013 -

Vertraut man der Abstimmung per Fuß, dann wirkt das Angebot der Bildungsberatung Berlin. 2012 entschieden sich mehr als 17.000 Berlinerinnen und Berliner dafür, eine öffentlich finanzierte und träger-unabhängige Bildungsberatung in Anspruch zu nehmen. Ein Drittel von ihnen kommt sogar wieder. Der Bedarf ist da. Die hinter diesem stehende Nachfragestruktur wird im Hinblick auf soziodemografische sowie bildungs- und erwerbsbiografische Merkmale seit 2007 regelmäßig durch den KES-Verbund evaluiert. Außerdem werden Angaben zum Beratungsprozess und zum Beratungsergebnis ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Evaluierungen bilden für das Land Berlin eine wichtige Basis für die Politiksteuerung und das Qualitätsmanagement im Bereich der Bildungsberatung. Diese Basis soll angesichts einer zunehmenden Evidenzorientierung der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik sowie der Vielfalt biografischer Gestaltungsoptionen künftig um Untersuchungen zur Wirkung von Bildungsberatung ausgeweitet werden. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, inwieweit Bildungsberatung dazu beiträgt die Lebens- und Berufswegeplanung des Einzelnen besser mit den Angeboten des Bildungs- und Arbeitsmarktes zu harmonisieren.

Das vom KES-Verbund geplante Verfahren zur Wirkungsmessung sieht vor, die in der Beratung angesprochenen individuellen Bildungs- und Berufsziele über eine systematische Erfassung von Beratungsanlässen und –inhalten mithilfe des bereits angewendeten Dokumentationssystems messbar zu machen. Damit werden greifbare Bezugspunkte für eine differenzierte Wirkungsmessung geschaffen. Über eine gezielte Nachbefragung der Ratsuchenden (follow-up-Messung) kann so nachgehalten werden, was diese bzgl. ihres Beratungsanlasses (geplante Anpassungs- oder Aufstiegsqualifizierung, berufliche Umorientierung, Wiedereinstieg u.a.) seit der Inanspruchnahme der Bildungsberatung erreichen konnten. Hierbei soll abgefragt werden, welche Aktivitäten bzw. Handlungsschritte erfolgten und/oder welche Entscheidungen getroffen wurden. Bei der Auswertung der Befragungsergebnisse werden diese schließlich in Bezug zu den jeweiligen Beratungszielen analysiert.

Die Schaffung konkreter Bezugspunkte und die damit verbundene Möglichkeit individuelle Entwicklungen messen zu können, sollen dazu beitragen, dass zumindest in Teilen objektivierbare Aussagen zur Wirkung von Bildungsberatung getroffen werden können. Neben der Abfrage von mittelbaren Wirkungen sollen darüber hinaus unmittelbare Wirkungen im Sinne einer Kundenzufriedenheitsmessung, aber auch unmittelbare Beratungsergebnisse, wie bspw. die Erstellung eines Kompetenzprofils, eine Auflistung infrage kommender Bildungsangebote oder Vereinbarungen zu weiteren Aktivitäten erfasst werden. Die Abbildung skizziert das beschriebene Mehrebenen-Verfahren zur Ergebnis- und Wirkungsmessung.

Abbildung 1

Das geplante Verfahren erhebt dabei nicht den Anspruch, hinreichende Kausalitäten zwischen der Inanspruchnahme einer Bildungsberatung und den Wirkungen i. S. der intendierten Aktivitäten der Ratsuchenden aufzeigen zu können. Vielmehr soll das Verfahren einen Beitrag dazu leisten, weitere Erkenntnisse zur Messbarkeit der Wirkung von Bildungsberatung zu gewinnen und diese mit den beteiligten Akteuren im Rahmen von evidenzbasierter Politiksteuerung und Qualitätssicherung zu erörtern.
Der KES-Verbund bei Arbeit und Leben e.V. administriert eine zugangsgeschützte Arbeitsplattform, über die den Beratungseinrichtungen u.a. ein Softwaregestütztes Tool zur einheitlichen Dokumentation und Auswertung ihrer Beratungsfälle bereit gestellt wird. Die so in einer zentralen Datenbank erfassten Daten bilden die Grundlage für die Evaluierung der Bildungsberatung.

Eine Übersicht über das Angebot der öffentlich finanzierten Bildungsberatung in Berlin erhalten Sie über das Internetportal www.bildungsberatung-berlin.de.

Birte Komosin und Henning Kruse,
KES-Verbund bei Arbeit und Leben e.V. Berlin

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erschienen im nfb-Newsletter 02/ September 2013