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Die Beratungskonzeption der Bundesagentur für Arbeit

24.03.2011 -

In der Bundesagentur für Arbeit (BA) läuft aktuell eine breit angelegte Qualifizierung aller Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte. Sie verfolgt das Ziel, deren Beratungskompetenz - und somit die Professionalität und die Qualität von Beratungsarbeit in der BA – zu steigern. Die zugrunde liegende Beratungskonzeption für den Rechtskreis SGB III wurde seit 2008 im Rahmen eines Projekts erarbeitet und befindet sich nun in der Phase der Umsetzung.

Rahmenbedingungen und Ziele der Konzeption

Beratung ist als soziale Dienstleistung im aktuellen Recht der Arbeitsförderung ebenso wie in allen Vorgängergesetzen fest verankert. Damit hat Beratung im Aufgabenportfolio der BA eine lange Tradition. Warum also eine „neue“ BA-Beratungskonzeption?
Zu den auslösenden Momenten zählten u.a. steigender Beratungsbedarf in einer veränderten Arbeitswelt, Arbeitsmarktpolitik und Gesetzgebung seit 2002 sowie Reform und Umbau der BA und die damit gemachten Erfahrungen. Das geschäftspolitische Ziel „Beratung und Integration nachhaltig verbessern“ und die Absicht, sich „von einer Sozialversicherung zu einem lebenslangen Berufs- und Karrierebegleiter der Menschen weiterzuentwickeln“ (Weise 2008) erforderten eine grundsätzliche Bestandsaufnahme und eine explizite Positionierung für die Zukunft ebenso wie eine aktualisierte Basis für die Qualifizierung der Beratenden.
Die BA-Beratungskonzeption ist ein organisationsinternes fachliches Konzept, das sowohl die Arbeit der Beratungs- als auch der arbeitnehmerorientiert arbeitenden Vermittlungsfachkräfte im Blick hat. Es analysiert die spezifischen Rahmenbedingungen, verortet Beratung in der BA fachwissenschaftlich und beschreibt Beratungsprozesse sowie deren Qualitätsstandards. Vor allem aber bietet es ein praxisnahes Methodeninventar, das die Beratenden bei der täglichen Arbeit mit ihren Kunden unterstützt. In die Erarbeitung wurden die in der Organisation vorhandenen Konzepte ebenso wie das Know-how vieler Praktikerinnen und Praktiker einbezogen.

BA Beratungskonzeption

Grafik: Bundesagentur für Arbeit, 2011

 

Charakteristika der Konzeption

  • Spezifischer gesetzlicher und institutioneller Rahmen: Die Analyse der Rechtsnormen, denen die BA als sozialer Leistungsträger unterliegt, führt zu zwei Handlungsfeldern. Im ersten geht es um die „klassische“ Berufsberatung, in deren Mittelpunkt Fragen der beruflichen Laufbahngestaltung und die Unterstützung von Orientierungs- und Entscheidungsprozessen stehen. Das zweite Handlungsfeld adressiert die Beratung von Personen, die sich im Vermittlungsprozess in Arbeit bzw. Ausbildung befinden. Diesen unterschiedlichen Schwerpunkten wurde durch zwei sog. „Beratungsformate“ Rechnung getragen.
  • „Orientierungs- und Entscheidungsberatung“ (OEB) und „Integrationsbegleitende Beratung“ (IBB):  Die Differenzierung ermöglicht es, die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte und Zielsetzungen zu berücksichtigen und den jeweils spezifischen Beitrag von Beratung zur Problemlösung zu beschreiben. Das bedeutet konkret, dass sich die OEB in ihrer Ausgestaltung an „Berufswahldimensionen“ wie  Problembewusstsein, berufliche Selbsteinschätzung, Entscheidungsfähigkeit orientiert, während in der IBB die Erarbeitung des Kundenprofils und die Ausarbeitung konkreter Integrationsstrategien handlungsleitend sind.
  • Grundprozess und Handlungsprinzipien: Die Beratungsformate basieren auf einem gemeinsamen Grundprozess aus „Situationsanalyse“, „Zielfindung“ und „Lösungsstrategien“. Damit verortet sich das Konzept in den problemlösungsorientierten Ansätzen und versteht Beratung als ein methodisch angeleitetes Interventionskonzept zur Problemlösung. In jeder der drei Phasen steht der Blick auf den Kunden an erster Stelle. Er wird ermutigt, seine eigenen Überlegungen einzubringen, bevor die weitere Konkretisierung mit Hilfe des Beratenden erfolgt und schließlich konkrete Ansatzpunkte für die weitere Bearbeitung vereinbart werden. Das zugrunde liegende Beratungsverständnis findet nicht zuletzt in sog. „Handlungsprinzipien“ seinen Ausdruck, die den gesamten Beratungsprozess prägen und hier nur schlagwortartig beschrieben werden können: Offenheit für die Anliegen des Kunden und bestmögliche Unterstützung, Kunde als aktiver Partner, Ressourcenorientierung, Transparenz, Ergebnisorientierung, Verbindlichkeit durch Vereinbarung und Absprachen. Die Handlungsprinzipien ergänzen die ohnehin durch das SGB I und SGB III fixierten Grundsätze für die der Arbeit der BA – Vertraulichkeit, Individualität und Unparteilichkeit seien beispielhaft genannt.
  • Standardsequenzen: Sie sind ein zentrales Strukturelement und dienen der Detaillierung des Beratungsprozesses. Sie beschreiben die typischen Handlungsaufgaben der OEB und der IBB und zeigen geeignete methodische Vorgehensweisen, Medien oder Hilfsmittel auf. Mit diesem Konzept ist kein „mechanistisches Abarbeiten“ vordefinierter Schritte intendiert! Jede Sequenz eröffnet eine Vielzahl von Handlungsoptionen - welche davon fallangemessen sind, entscheiden die handelnden Personen. Die Sequenzen benennen zudem Qualitätsstandards, denen die Umsetzung gerecht werden muss. Damit verfügt die BA erstmals über konkret formulierte Prozessstandards, an denen sich alle Beratenden orientieren können und die gemeinsamer Bezugspunkt für Qualifizierung und Fachliche Führung sind.
  • Arbeitsfeldspezifische Ausgestaltung: Grundkonzept und konstituierende Elemente gelten für die arbeitnehmerorientierte Beratung in der BA insgesamt. Die Ausarbeitung der Sequenzen erfolgte jedoch für die Arbeit mit jungen Menschen, mit Erwachsenen bzw. mit behinderten Menschen jeweils separat - das bot die Chance, typische Fallkonstellationen und Vorgehensweisen einarbeiten und somit den Anspruch der Praxisnähe einlösen zu können.
  • Hintergrundmaterialien: Die Ausarbeitung des Beratungsprozesses wird ergänzt durch ein Nachschlagewerk, das Methoden, Arbeitsmittel und Hintergrundtexte zu ausgewählten Themenkomplexen anbietet.
  • Entwicklungsoffenheit: Die Konzeption ist entwicklungsoffen – insbesondere das Methodenrepertoire kann und soll durch erfolgreiche Praxis und die in der Organisation vorhandene Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen erweitert werden.

 

Umsetzung

Zentrales Element der Implementierung ist der eingangs genannte Qualifizierungsprozess, der 2010 begonnen wurde und Anfang 2012 abgeschlossen sein soll. Er ist als Blended Learning angelegt und beinhaltet auch ein Qualifizierungsangebot für die Teamleiter/innen. Erstmals in der BA werden alle arbeitnehmerorientiert arbeitenden Vermittlungs- und Beratungsfachkräfte sowie deren unmittelbare Führungskräfte in einen Qualifizierungsprozess „Beratung“ einbezogen. Die Zahl von 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern macht eindrucksvoll den Umfang der Investition in die „Beratungsqualität“ deutlich und lässt erahnen, welche Herausforderung vor allem im Bildungsbereich der BA daraus erwächst.

Weiterführende Informationen:

  • Rübner Matthias (2009): Berufsberatung weiter stärken. Zielsetzungen und Perspektiven der Bundesagentur für Arbeit. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 4/2009, S. 14-18.
  • Rübner Matthias (2010a): Wirksame Beratung für Berufswähler und Ausbildungssuchende. In: U. Sauer-Schiffer /T. Brüggemann (Hrsg.): Der Übergang Schule-Beruf: Beratung als pädagogische Intervention. Münster: Waxmann, S. 79-100.
  • Rübner Matthias. (2010b): Das Beratungskonzept der Bundesagentur für Arbeit. Rahmenbedingungen, Leitlinien und Forschungsperspektiven. In: G. Bender, B.-J. Ertelt (Hg.): Forschungsprojekte, Forschungskonzepte, Entwicklungsarbeiten – Werkstattberichte aus der HdBA. HdBA-Bericht Nr. 3. Mannheim, S. 157-168.


Dr. Nicole Cujai, Barbara Sprengard

http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Beratung/Beratungskonzeption-der-BA-Grundlagen.pdf