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Nicht-akademische Weiterbildung/ Qualifizierung für Berater/innen im Verbund der Regionalen Qualifizierungszentren (RQZ): Bildungsberatung & Kompetenzentwicklung

Als im Herbst 2005 die Pilotqualifizierung „Bildungsberatung & Kompetenzentwicklung“ in Mainz startete, war dies die Antwort auf einen deutlich geäußerten Professionalisierungsbedarf von Bildungsberaterinnen und Bildungsberatern aus den „Lernenden Regionen“.

Die Nachfrage war groß, so dass sich 2006 „Lernenden Regionen“ zusammen mit den Universitäten Mainz und Leipzig in einem Entwicklungsvorhaben zu einem Verbund zusammen schlossen, dessen Herzstück  die praxisorientierte Basisqualifizierung „Bildungsberatung & Kompetenzentwicklung“ war.

Mittlerweile betreibt der Verbund 2  Jahre nach Ende der Förderperiode  9  Regionale Qualifizierungszentren (RQZ) an den Standorten Neumünster/Hamburg, Dessau/Berlin, Bremen, Leipzig, Braunschweig, Hagen, Mainz, Hanau und am Bodensee.  Koordiniert wird das bundesweite Netzwerk vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Damit wurde auf der Grundlage eines gemeinsamen Rahmencurriculums  ein qualitätsgesichertes  flächendeckendes Angebot geschaffen, das sowohl denjenigen eine professionelle Handlungsgrundlage bietet, die Beratung als eine unter anderen Aufgaben wahrnehmen, als auch jenen, die Beratung als ihre berufliche Kernaufgabe verstehen, ohne dafür ein entsprechendes Hochschulstudium oder eine Zusatzausbildung durchlaufen zu haben.

Die Teilnehmenden kommen aus  Bildungsberatungsstellen,  Weiterbildungseinrichtungen, Schulen, Hochschulen, Kommunen, Kammern und Bildungsprojekten.

Mit seinem Angebot  möchte der Verbund Berater/innen unterstützen, ihre Kompetenzen im  komplexen Handlungsfeld der  Bildungsberatung zu stärken:  Kommunikations- und Prozesskompetenz sind dabei ebenso gefragt wie das Vermögen, Netzwerk- , Informations- und Qualitätsmanagement zu betreiben. Berater/innen müssen die Veränderungen auf dem Arbeits- und Bildungsmarkt im Blick haben,  gesellschaftliche Strömungen erkennen und einordnen können. Und schließlich: Sie brauchen eine überdurchschnittliche Reflexionsfähigkeit für das eigene Denken und Handeln.

Das Rahmencurriculum

Das Rahmencurriculum ist darauf ausgerichtet, dass Personen mit Beratungsaufgaben im Bildungsbereich handlungsbezogene Fähigkeiten samt den dazu gehörigen Kenntnissen entwickeln, reflektieren und verstärken.

Dazu gehören Kenntnisse und Fähigkeiten

  • zur Selbstwahrnehmung
  • zur Wahrnehmung und Unterscheidung verschiedener Arten und Ebenen von Kommunikation
  • zur Exploration und Fokussierung
  • zur systemischen Betrachtung von Personen und Handlungen einschließlich der Wahrnehmung von Sachverhalten und Strukturen im Lebensumfeld (z.B. Erwerbstätigkeit oder Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Situation, Kommune, Region usw.)
  • zur Übernahme und Nutzung von Modellen der Beratung und des didaktischen Handelns
  • zur Reflexion der eigenen Situationen und Rollen (z.B. im Blick auf Menschenbild, Bildungsverständnis und gesellschaftlich-politische Orientierung)
  • zum Verständnis und Erleben von Beratung als schöpferisches, auch die eigene Person immer wieder neu bereicherndes Geschehen
  • zur Gestaltung von Beratungsprozessen mit ihren Einzelaspekten (z. B.: Bezugsrahmen wechseln, Übertragung und Gegenübertragung wahrnehmen und damit umgehen, Interventionstechniken anwenden, zielgerichtetes Handeln entwickeln, alternatives Denken fördern, Ziele und Visionen anregen).

Hinzu kommen Interessen, Kenntnisse und Fähigkeiten

  • zur Wahrnehmung und Nutzung von Sachverhalten, die an einem Ort oder in einer Region für das Lernen bedeutsam sind (z.B. Angebote, Einrichtungen und Personen oder Institutionen mit Vermittlungs- oder Agenturfunktionen, an die ggf. weiter verwiesen werden kann)
  • zur Wahrnehmung der biographischen Einbindung jeglichen Lernens
  • zur Wahrnehmung und Nutzung von Gegebenheiten und Abläufen beim Lernen (Lernpsychologie)
  • zur Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements einschließlich des selbstgesteuerten und selbstorganisierten Lernens.

Dies wird mit zentralen Inhaltsbereichen verbunden, zusammen gefasst unter „Gestaltung des Beratungsprozesses“, „Beratung und Netzwerkmanagement“, „Rahmenbedingungen professioneller Beratung“, „Lebenslanges Lernen: Herausforderungen und Themenfelder“ sowie „Kompetenzerfassung“.

Vorgehensweise und Lernorganisation

Die spezifische Charakteristik von „Beratung als Lerngegenstand“ besteht darin, dass es um ein professionell gestaltetes Beziehungsgeschehen zwischen Personen mit wechselseitigen Wahrnehmungen und Reaktionen geht und mit spezifischen Interventionsformen auf Seiten des Beraters/der Beraterin. Der Lerninhalt ist also durch eine starke Prozesshaftigkeit geprägt. Soll die Art und Weise des Lernens ihr gerecht werden, darf sie um des Lerngegenstandes willen diesen nicht nur abbilden („wir stellen dar, was Beratung ist und bedeutet“), sondern muss ihr tatsächlich Raum geben („wir erfahren Beratung“). Nur so entwickeln sich Verstehen und das damit verbundene Wissen und Können.

Weil es in der Praxis um ein Denken, Verhalten und Handeln geht, das sich im konkreten Tun niederschlägt, braucht es eben solches bewusstes Tun für das Erlernen. Deshalb werden Prozesse, Herausforderungen und Techniken, die für Beratung konstitutiv sind, in der Fortbildung vergegenwärtigt. So wird zugleich die Reflexivität gefördert, die zum Beratungshandeln dazu gehört.

Die einzelnen Arbeitseinheiten des Programms erschließen einerseits spezifische Modelle, Theoriebestände, Untersuchungsergebnisse usw. und verknüpfen diese andererseits mit der beruflichen Praxis der Teilnehmenden. Diese Verbindung von Inhalten und direktem Anwendungsbezug wird methodisch angeregt und gefördert durch praktische Übungen, durchlaufende Gruppen zur Erarbeitung, Überprüfung und Weiterentwicklung von Beratungskompetenzen sowie praxiserschließende und gestaltende Aufgaben für die Zeit zwischen den Modulen.

Die 5 Module mit insgesamt 120 Unterrichtseinheiten stellen hierfür eine Plattform bereit. Sie ermöglichen soziales und erfahrungsorientiertes Lernen. Sie verbinden dabei die einzelne Person, die Gruppe, fachspezifische Inhalte und die beruflichen Erfahrungshintergründe der Teilnehmenden. Sie haben verschiedene inhaltliche Schwerpunkte, die zugleich auch miteinander verknüpft sind.

Der Abschluss

Die Basisqualifizierung kann mit einem Zertifikat abgeschlossen werden.  Dabei erfassen die Teilnehmenden ihren Kompetenzgewinn, indem sie einen Beratungsfall dokumentieren und reflektieren, eine praxisbezogene Arbeit schreiben und an einem Kolloquium teilnehmen. Dazu werden die Arbeiten innerhalb von Dreiergruppen ausgetauscht, mit Hilfe von Fragestellungen bearbeitet, die vorher gemeinsam entwickelt worden sind, und schließlich in einem Abschlusskolloquium diskutiert. Dieser kollegiale Reflexionsgang setzt die Grundstruktur der Beratungstrainings aus den einzelnen Modulen fort und verbindet sie mit der Beschreibung und Sicherung des individuellen Lerngewinns.

Hier arbeiten alle RQZ mit einem universitären Partner zusammen, der die Projektarbeiten und die Kolloquien begleitet.

Über die Grundqualifizierung hinaus werden  Zusatz- und Vertiefungsmodule (Dauer jeweils 2 oder 3 Tage) angeboten.

Die Qualifizierungszentren unterstützen die Teilnehmer/innen zudem mit unterschiedlichen Service-Leistungen, die  - regional unterschiedlich - von Lernplattformen über Austauschforen  bis zu Reflexionstreffen zum Erfahrungsaustausch reichen.

Über  1.000 Absolventen und Absolventinnen haben die Qualifizierung mit einem Zertifikat abgeschlossen, das auch die Qualifizierung zum ProfilPASS-Beratenden mit einschließt.

Umfassende Informationen zum Verbund und seinen Angeboten: www.bildungsberatung-verbund.de

Barbara Lampe

Erschienen im Newsletter 02/2011

Die nächsten Starttermine:

finden Sie unter:

www.bildungsberatung-verbund.de