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Hoffnung und Resilienz: Internationale Konferenz: „Life Design and Career Counselling – Building Hope and Resilience“

20.-22.06.2013 -

Padua, Italien

„Hoffnung ist das Zusammenwirken von Optimismus und Handlungsfähigkeit“ definierte Shane Lopez (Clifton Strength Institute, USA) zu Beginn der Konferenz. Sie wirke sich positiv auf die Volkswirtschaft aus, wie Lopez anhand zahlreicher Studien zur Motivation und Resilienz von Angestellten nachweisen konnte. Doch welche individuellen und psychosozialen Wirkfaktoren spielen bei der Entwicklung von Hoffnung und Resilienz eine Rolle? Und wie kann Beratung Hoffnung und Resilienz fördern in einer Arbeitswelt, die zunehmend unsicherer wird, in flukturierenden Netzwerken von geringer Dauer organisiert ist und in der Erfolg und Mißerfolg immer stärker subjektiviert werden?

Dem Life Designing Ansatz folgend konzentrierten sich die Plenumsbeiträge am Vormittag auf das Individuum, das durch die zunehmende Individualisierung und die Aufhebung der Standardisierung von Lebensläufen und Lebensphasen zunehmend flexibler sein müsse. Dies verdeutlichte u.a. Prof. Mark Savickas (Northeast Ohio Medical University, USA) in seiner abschließenden Keynote. Wenn der Lebenslauf nicht mehr als Weg mit grundlegenden Phasen, wie von Erik H. Erikson und Donald Super für unser Feld einflussreich vertreten, verstanden werde, ändere sich auch die Rolle der Beratung, die in standardisierten Lebensverläufen, wie sie im 20. Jhd. vorherrschten, half, Übergänge zwischen den Lebensstufen zu vollziehen. Daher konzentriere sich eine Beratung im Sinne des Life Designing nun auf die Entwicklung von Kompetenzen und persönlichen und sozialen Ressourcen. Adaptabilität und Identität stellt Savikas dabei als Metakompetenzen heraus, welche das Life Designing fördern sollte. Die Erkenntnis, dass Resilienz steigt, wenn Menschen ihre eigene Geschichte kennen und nutzen können, führte zum narrative turn in der Beratung.

Auch eine strategische Denkweise und ein abstraktes, weiter gefasstes und flexibles Selbstverständnis unterstützten die Resilienz. Prof. Jean Guichard (CNAM-INETOP, Frankreich) stellte hierzu die Entwicklung einer strategischen Denkweise in der Beratung dar. Im Diskurs könne Beratung die Konstruktion und Re-interpretation der sogenannten self-identity forms (SIF) unterstützen. SIF seien dabei wenig definierte Rollen und Identitäten, die je nach Situation unterschiedliche Bedeutung haben und mit unterschiedlichen Lebensbereichen verbunden sind. Ähnlich argumentierte Prof. Annelies van der Vianen (Universität Amsterdam), die die Förderung eines abstrakten Selbstverständnisses im Gegensatz zu einem konkreten erörterte. Ein abstraktes Selbstverständnis könne dem Verlust von Identität und Motivation durch das Gefühl des Kontrollverlustes bei Arbeitsplatzunsicherheit besser entgegenwirken, da es dem Individuum mehr Optionen ließe und Ängste reduziere.

Die Rolle der sich spezialisierenden Gesellschaft und des zweigliedrigen Bildungssystems kritisierte in diesem Kontext Prof. Stefano Zamagni (Universität Bologna). Er forderte die Aufhebung der dysfunktionalen Trennung von Arbeit und Studium, um junge Menschen wieder an eine umfassendere Ausbildung heranzuführen, die ohne exzessive Spezialisierung vielfältige Kompetenzen ausbilde und somit die Beschäftigungsfähigkeit der jungen Menschen unterstütze. Stefano Zamagni ging somit über die individualisierte Perspektive des Life Designing hinaus. Zahlreiche weitere Beiträge von Wissenschaftlern/innen und Praktikern/innen aus allen 5 Kontinenten beschäftigten sich mit den eingangs genannten Fragen unter verschiedensten Schwerpunkten.

Judith Frübing, nfb

Abstracts der Beiträge sind veröffentlicht auf der Konferenzwebseite, auf der die Präsentationen auch eingestellt werden: http://larios.psy.unipd.it/conference2013/pages/zen-index.php