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Das Internationale Beratungs- und Vermittlungsangebot der Bundesagentur für Arbeit (BA)

2012 -

Die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums, die Globalisierung der Wirtschaft sowie die steigende Mobilitätsbereitschaft der Arbeitnehmer tragen zu einer zunehmenden Internationalisierung der Bildungs- und Arbeitsmärkte bei. Mit der Verbreiterung der Möglichkeiten wird eine professionelle Beratung im internationalen Kontext immer wichtiger, um Ratsuchenden bessere Orientierung und Entscheidungshilfen für die Vorbereitung eines Auslandsaufenthaltes zu geben.

Die Zentrale Auslands- und Fachermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) fungiert als neutraler Informations- und Beratungslotse in allen Fragen rund ums Ausland – sowohl für auslandsinteressierte Deutsche als auch für Ausländer, die sich für einen Aufenthalt in Deutschland interessieren. Von großem  Vorteil ist hier die Einbindung der ZAV in das Euroguidance- und EURES-Netzwerk: Durch den regelmäßigen Austausch mit ihren europäischen Kollegen verfügen die Berater der ZAV über ein fundiertes Wissen über ausländische Arbeits- und Bildungsmärkte und -systeme. Daneben beheimatet die ZAV das deutsche EURES-Management, das die Aktivitäten von EURES-Beratern innerhalb und außerhalb der BA koordiniert und als Schnittstelle zwischen den deutschen EURES-Akteuren und der Europäischen Kommission fungiert.

An den zwölf regionalen Standorten der ZAV arbeiten in der Regel jeweils zwei Euroguidance- und vier EURES-Berater. So können eingehende Fragen zum ausländischen Bildungs- und Beschäftigungssektor kundennah aus einer Hand beantwortet und Einzelberatungen und Veranstaltungen auch gemeinsam angeboten werden. Zudem wird das Beratungsangebot der ZAV durch eine Vielzahl an jährlich stattfindenden Informationsveranstaltungen ergänzt und durch konkrete Praktikums- und Jobprogramme unterstützt. Intensiviert wurde seit Jahresbeginn die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland nach Deutschland.

2011 hat die ZAV 9.421 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei unterstützt, eine neue Beschäftigung im Ausland zu finden, hauptsächlich in der Hotellerie und Gastronomie sowie in Bau- und Handwerksberufen. Die Hälfte ging in die deutschsprachigen Nachbarländer Österreich und Schweiz. Im Info-Center der ZAV gingen 2011 ca. 140.000 Anfragen von deutschen und ausländischen Ratsuchenden ein.

Das Info-Center der ZAV ist unter 0228 713-1313 oder zav@arbeitsagentur.de zu erreichen. Weitere Informationen im Internet finden Sie unter www.zav.de.

Euroguidance und EURES – Zwei europäische Beratungsnetzwerke in Deutschland unter einem Dach

Euroguidance (www.euroguidance.net), das europäische Netzwerk für Bildungs- und Berufsberatung, unterstützt seit 1992 die Berufs- und Bildungsmobilität innerhalb der Europäischen Union. In jedem Mitgliedstaat der EU und des EWR sowie in der Türkei und der Schweiz bestehen Euroguidance-Zentren, die durch die Europäische Kommission im Rahmen des Programms Lebenslanges Lernen und den jeweiligen nationalen Behörden gefördert werden.

In Deutschland ist die ZAV nationales Euroguidance-Zentrum. Die Euroguidance-Berater sammeln und verbreiten Informationen über Bildungs-, Mobilitäts- und  Beschäftigungsmöglichkeiten in Europa und tauschen sich über die jeweiligen nationalen Bildungssysteme und -wege sowie über spezielle Berufsberatungsfragen aus.

Die Euroguidance-Zentren führen Schulungen für Berufsberater durch und organisieren Studienaufenthalte in anderen Ländern. Sie können auch bei der Suche nach Partnerorganisationen für Innovationstransfer- und Mobilitätsprojekte in der Berufsberatung und bei der Verbreitung von Projektergebnissen helfen. Die Euroguidance-Zentren haben gemeinsam das PLOTEUS-Portal (ec.europa.eu/ploteus) entwickelt, das Informationen über Lern- und Weiterbildungsangebote in ganz Europa bereithält.

Die Mobilität von Arbeitnehmern zwischen seinen Mitgliedstaaten unterstützt und fördert seit 15 Jahren das EURES-Netzwerk (ec.europa.eu/eures). Darin arbeiten die Europäische Kommission und die öffentlichen Arbeitsverwaltungen der EU-/EWR-Mitgliedstaaten und der Schweiz zusammen. Gemeinsames Ziel ist die Verwirklichung  der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa. EURES unterstützt Arbeitsuchende bei der Stellensuche im Ausland. Über 760 speziell ausgebildete EURES-Berater sind europaweit tätig und bieten Information und Beratung zu allen Fragen der beruflichen Mobilität, einschließlich Sozialversicherung und Arbeitsbedingungen.

Umgekehrt hilft EURES auch Arbeitgebern bei der Suche nach neuen Mitarbeitern auf den europäischen Arbeitsmärkten. Leitsatz ist dabei Mobilität zu fairen Bedingungen. Das heißt: Die Beschäftigung im Ausland muss zu ortsüblichen Konditionen erfolgen. Soziale und arbeitsrechtliche Mindeststandards müssen eingehalten werden.

Herausforderungen und notwendige Kompetenzen für die grenzüberschreitende Berufs- und Bildungsberatung

„Die Qualifizierung von Beratungskräften für die besonderen Herausforderungen der Arbeit von Vermittlungs- und Beratungsfachkräften im grenzüberschreitenden / internationalen Bereich muss neben den unverzichtbaren methodischen und ethischen Normen der individuellen Beratung auch die Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaftspolitik und politischen Aspekte der Migration berücksichtigen. Daher besteht ein starkes Bedürfnis nach Weiterentwicklung der Kompetenzen in der internationalen Berufsberatung.“ (Hochschule der BA, Bericht Nr. 1 “Brain Drain - Brain Gain“, 2010)

Eine 2008 von der Europäischen Kommission ausgegebene Empfehlung sieht vor, dass bis 2020 mindestens 50 Prozent aller jungen Menschen Mobilität in Bildung und Beruf möglich sein soll. Dieses Ziel stellt eine enorme Herausforderung für die transnationale Berufsberatung dar und erfordert spezifische Marketingstrategien einerseits für die Mobilität selbst, andererseits aber auch für das Angebot der grenzüberschreitenden Beratung.

Eine grundlegende wissenschaftsbasierte Vorbereitung auf grenzüberschreitende Beratungs- und Vermittlungsaufgabe bietet die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) im Rahmen ihrer beiden Studiengänge „Arbeitsmarktmanagement“ und „Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement“.  Ausdrücklich stellt die Internationalisierung einen aktuellen Entwicklungsschwerpunkt der HdBA dar. So wird etwa schon jetzt von der Möglichkeit eines Auslandspraktikums in Fachorganisationen der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung seitens der Studierenden reger Gebrauch gemacht. Eine wesentliche Aufgabe sieht die HdBA aber auch in der Intensivierung der Zusammenarbeit innerhalb der BA bei der Weiterbildung der Fachkräfte für die grenzüberschreitende Beratung.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternahm die ZAV in Zusammenarbeit mit der HdBA im Rahmen eines EU-Projektes: In den Jahren 2007 bis 2010 wurden im Leonardo-da-Vinci Projekt „Brain Drain – Brain Gain“ Module zur Beratung im internationalen Bereich entwickelt, die die Ergebnisse der Vorläufer-Projekte „TVC Transnational Vocational Counselling“ (2004), „LLVC Lifelong Vocational Counselling“ (2004) und  „Modile Eurocargo - Modular Distance Learning for European Mobility Career Counsellors“ (2004) fortführen sollten. Ziele dieses Projektes waren die Entwicklung und Implementierung von Qualifizierungsmodulen für die grundständige Ausbildung und die Fortbildung von Beratungsfachkräften, die im internationalen Kontext arbeiten.

Um die Ausgangslage und die Bedarfe von Beratungsfachkräften identifizieren zu können, wurde zunächst eine Befragung durchgeführt. Erhoben wurden mögliche Anbieter von Berufs- und Arbeitsberatung im internationalen Kontext und deren Hauptzielgruppen in Anlehnung an die „International Standard Classification of Education“ (ISCED) sowie die Herkunfts- und Zielländer der Klienten. Die Mehrheit der Befragten gab an, sich nur ausreichend auf die grenzüberschreitende Beratung vorbereitet zu fühlen. Aus der Auswertung mehrerer Untersuchungen in allen Partnerländern ergab sich der künftige Schulungsbedarf. 

Auf dieser Basis  wurden die folgenden Module entwickelt und ausgearbeitet:
Modul I „Informationsmanagement, institutionelle Rahmenbedingungen“ mit den Teilmodulen I a „Informationsgewinnung und Informationsmanagement“ und I b „Marketing und Programme für Mobilität“ soll im Zusammenhang mit internationaler Mobilität Kenntnisse und Überblicke über wichtige rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, entsprechende Informationsquellen und Netzwerke vermitteln. Die Beratungsfachkräfte sollen in die Lage versetzt werden, unter Beachtung ethischer Beratungsgrundsätze auf den individuellen Klienten zugeschnittene Informationen zu vermitteln.

Modul II „Arbeits- und Lebensbedingungen“ mit den Teilmodulen II a „Push- and Pull“-Faktoren“ und II b „Psycho-soziale Auswirkungen von Brain Drain – Brain Gain“ zeigt die Charakteristika von „Push-and-Pull-Faktoren“ im Bereich der transnationalen Mobilität auf und Methoden zum Umgang mit ihnen. Ein Modell der multikulturellen Beratung wird in einer weiter gefassten Definition dargelegt. Beispielhaft werden Lebens- und Arbeitsbedingungen in ausgewählten Ländern dargestellt. Schließlich geht es hier um die Besonderheiten internationaler Berufslaufbahnen und deren Planung.  Im Teilmodul II b werden Folgen transnationaler Mobilität behandelt.

Modul III „Beratungsinstrumente und Mobilitätsunterstützung“ befasst sich in Teilmodul III a „Beratungstheorien“ mit informellem und non-formalem Lernen und informellen und den sogenannten „anderen“ Kompetenzen und deren Validierung. Dazu wird ein Instrumentarium vorgestellt. Der adäquate Einsatz von verschiedenen Assessment-Instrumenten ist Thema einer Lerneinheit. Das Teilmodul III b stellt „Multikulturelle und transnationale Kompetenzen“ und entsprechende Standards der Beratung vor sowie dazugehörige ethische Standards. Teilmodul III c “Aufbau eines internationalen Netzwerks“ knüpft an Modul I an und vertieft Kenntnis und Verständnis der beiden bedeutenden europäischen Netzwerke EURES und Euroguidance, ihrer Entstehung, Aufgaben und Hauptangebote einerseits für Beratungsfachkräfte und andererseits für abwandernde, zuwandernde und rückkehrende Migranten. Überdies wird auf die Grundlagen der Arbeit in und mit Netzwerken sowie eine mögliche Initiierung neuer Netzwerke auf unterschiedlichen Ebenen eingegangen.

Ilse Lore Schneider,
Koordinatorin Euroguidance Deutschland, und
Regina Korte,
Berufsberaterin und EURES-Beraterin der Agentur für Arbeit Stade

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