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Der Europäische Verband regionaler und lokaler Verwaltungen für Lebenslanges Lernen - Earlall

2014 -

Flavia Buiarelli,  Earlall

Im Jahre 2001 entschied sich eine Gruppe regionaler Regierungen für eine solide Zusammenarbeit im Bereich Lebenlanges Lernen und  gründete einen gemeinnützigen Verein unter Belgischem Recht, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. Heute zählt die Earlall – European Association of Regional and Local Authorities for Lifelong Learning – 17 Mitgliedsregionen und 19 Beobachter, nämlich Universitäten, Verbände und Forschungsinstitute, die sich für Lebenslanges Lernen engagieren.

Earlalls Ziel ist es konkret, die Zusammenarbeit der regionalen Regierungen im Bereich des Lebenslangen Lernens zu fördern, in diesem Kontext eine regionale Perspektive auf europäischer Ebene zu vertreten und gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Politik und Strategien für Lebenslanges Lernen  durchzuführen.

In vielen EU Ländern haben die Regionalregierungen Verantwortung für Lebenslanges Lernen, besonders für die Umsetzung der politischen Strategien. Zudem sind sie näher an den Bürgern/innen und können daher die Bildungsbedürfnisse der Bevölkerung unter Berücksichtigung der ökonomischen und sozialen Kontexte in einer Region besser einschätzen. Daher wollen die regional Verantwortlichen ihre Perspektive in die europäischen Institutionen einbringen.

Für die Zusammenarbeit bietet Earlall eine Plattform für den Austausch guter Praxis und für gemeinsame Vorhaben sowie weitere Kooperationen, wie bilaterale Vereinbarungen oder Projekte, die sich bestimmten Bereichen des Lebenslangen Lernens widmen.

Earlalls Projekte wollen nicht nur das Wissen in verschiedenen Bereichen erweitern, sondern auch erfolgreiche Maßnahmen von einer Region in die andere übertragen und die Politik sowie die Aus- und Weiterbildungsangebote für die Bürgerinnen und Bürger verbessern.

Der Verband arbeitet in seiner jährlichen Mitgliederversammlung, dem Vorstand, der politische Impulse gibt, und in Arbeitsgruppen, die von Mitgliedern zu bestimmten Themen eingerichtet wurden. Derzeit gibt es drei aktive Arbeitsgruppen:

  • eine widmet sich dem Thema Mobilität: sie will den Austausch von Auszubildenden und Studierenden zwischen den Regionen intensivieren;
  • eine widmet sich der alternden Bevölkerung mit dem Ziel, private und öffentliche Akteure, die in die Betreuung und Pflege älterer Menschen involviert sind, zu identifizieren;
  • eine widmet sich der lebensbegleitenden Beratung.

Die Gruppe zur lebensbegleitenden Beratung wurde 2011 auf Initiative der Bretagne, die gerade ihren regionalen Beratungsdienst reformierte, gegründet. Andere Regionen u.a. Baden-Württemberg, Katalonien, Jamtland (Schweden) und Trento folgten der Idee mit Begeisterung. In einem ersten Schritt wurde eine Befragung zur Organisation der Beratungsdienste in den unterschiedlichen Regionen durchgeführt. Die Studie analysierte die folgenden Bereiche:
Beratungsangebote in Beratungszentren:

  • In der Mehrheit der Zentren wurden Informationen zur Weiterbildung, zur Berufsberatung und zu Arbeitsmöglichkeiten vermittelt.
  • Während die Mehrheit der Zentren alle Zielgruppen ansprechen (besonders Arbeitslose und Beschäftigte), spezialisieren sich nur wenige auf eine bestimmte Zielgruppe.
  • Ein weiteres interessantes Ergebnis bezog sich auf die Finanzierung der Zentren, die meist aus mehreren Quellen stammte: EU, Staat, Land, Kommune und soziale Träger. Nur 37% der Zentren hatten einen einzigen Träger, sie waren dann meist staatlich finanziert. In Regionen, die auch Autorität zur Verteilung von ESF und EU Mitteln haben, wurden diese oft zusammen mit Landes- und kommunalen Mitteln verwendet. Beiträge sozialer Träger gab es in 4 der untersuchten Regionen während Unternehmen 4 Zentren in 2 Regionen unterstützen.
  • Informelle Zusammenarbeit und Austausch von Informationen ohne formale Organisation waren die häufigsten Kooperationsformen. Doch dort wo es Zusammenarbeit der Zentren gab, spielten die Regionen eine wichtige Rolle bei der Organisation und Unterstützung dieses Austauschs.

Weitere untersuchte Bereiche waren Qualifizierung und Professionalisierung von Berater/innen, Webseiten und Call Center.

Die Ergebnisse der Studie verbesserten das gegenseitige Verständnis und Wissen. Der Studie folgten thematische Seminare und Studienbesuche von Beratungszentren in der Bretagne, in Baden-Württemberg und in Jamtland. Vor kurzem entschied die Gruppe, sich zukünftig auf den Zugang zu Beratung für geringqualifizierte Erwachsene zu konzentrieren. Dafür bewarben sie sich um Fördermittel aus dem Programm Erasmus+. Darüber hinaus werden weitere beratungsrelevante Themen diskutiert, wie Schulabbruch und die Jugendgarantie.

Die Arbeit zur Beratung gab Earlall die Möglichkeit, mit dem Europäischen Netzwerk für eine Politik lebensbegleitender Beratung (ELGPN) und seinen Mitgliedern in Kontakt zu treten und einen interessanten Austausch zu beginnen. Earlall hat an der ELGPN Plenarsitzung im Oktober 2012 in Zypern teilgenommen und Mitglieder des ELGPN wurden zu den Seminaren, die Earlall im Kontext der Aktivitäten zu Beratung durchgeführt hat, eingeladen. Diese Beziehung verhinderte die Wiederholung von Arbeiten, die bereits auf nationaler oder europäischer Ebene getätigt wurden. Auch ermöglichte es Earlall, einige der vom ELGPN entwickelten Instrumente zu implementieren. Auf der anderen Seite erhielten ELGPN Mitglieder eine regionale Sicht auf Fragen der Beratung und konnten sehen, wie Regionen die oft staatlich vorgegebenen Strategien umsetzen.

Beratung ist ein besonders wichtiges Thema, denn Beratung verbindet Ausbildung und Arbeit. Lebensbegleitende Beratung wird daher der Ausgangspunkt oder die Linse sein, mit der alle anderen wichtigen Themen in Bezug auf Bildung und Arbeit, die derzeit auf der Europäischen Agenda stehen, betrachtet werden.

www.earlall.eu

Übersetzung: Judith Langner

Erschienen im nfb-Newsletter 02/2014

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